Lockdown-Exit: Forderungen der Logistik

Positionspapier: Deutschlands führende Logistikverbände AMÖ, BGL, BIEK, BWVL und DSLV für einen Neustart der Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind enorm und werden weitreichende Folgen für die Wirtschaft haben. So prognostizieren die fünf führenden deutschen Wirtschaftsinstitute einen Einbruch des BIP um mindestens 4,2 Prozent. Die Bundesregierung hat in dieser herausfordernden Situation schnell und beherzt reagiert und mit vielen wichtigen und richtigen Maßnahmen der deutschen Wirtschaft unter die Arme gegriffen. Dafür zollt die Logistikbranche der Bundesregierung Respekt und Anerkennung.

Auch in der gegenwärtigen Situation halten die Logistiker die Lieferketten aufrecht und beliefern private Empfänger zuverlässig mit Lebensmitteln, lebenswichtigen Medikamenten sowie weiteren Gütern des täglichen Lebens. Gewerbliche Empfänger erhalten nach wie vor zuverlässig ihre Waren.

Doch Gesellschaft und Wirtschaft können nicht dauerhaft im Krisenmodus verharren. Jetzt ist es notwendig, den Blick nach vorne zu richten und Strategien für eine Wiederbelebung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zu entwickeln, um die volkswirtschaftlichen Schäden so gering wie möglich zu halten und zu verhindern, dass die Abwärtsdynamik noch über die mit der weltweiten Finanzkrise 2009 verbundenen hinausgeht.

Der Schutz der Gesundheit darf nicht den Blick dafür verstellen, dass tiefgreifende wirtschaftliche und ggf. damit verbundene soziale Krisen ebenfalls die Gesundheit und das Leben vieler gefährden. Daher muss unser Gesundheitssystem mit dem wirtschaftlichen Leben im Gleichgewicht funktionsfähig bleiben.

Um die Wirtschaft zurück auf den Pfad einer sich selbst tragenden Dynamik zu bringen, halten wir folgende Rahmenbedingungen für wichtig:

  1. Bund und Länder müssen für den Exit aus dem Lockdown unbedingt einheitliche Regeln und Verfahren erarbeiten, um bundesweit einen möglichst reibungslosen Prozess zu starten.
  2. Sämtliche Maßnahmen müssen umsichtig und verhältnismäßig geplant werden, um die Gefahr eines erneuten Lockdown zu minimieren.
  3. Die verschiedenen Wirtschaftszweige müssen zügig, differenziert und schrittweise sowie unter Beachtung der notwendigen Schutzmaßnahmen reaktiviert werden.
  4. Politik und Wirtschaft sollten die in der Krise freigesetzten Potenziale nutzen. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Digitalisierung die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft steigern kann. Gigabitfähige Netze und ein moderner Regelungsrahmen müssen zügig ausgebaut werden.

Konkret schlagen wir folgende Schritte vor:

  1. Nach und nach müssen weitere Bereiche des Einzelhandels und anderer geeigneter Dienstleitungsbereiche öffnen, um das gesellschaftliche, aber auch das wirtschaftliche Leben wieder in Gang zu setzen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass wirksame Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Ansteckung in diesem Bereich recht einfach umsetzbar sind.
  2. Schulen und Kindertagesstätten sollten, soweit epidemiologisch vertretbar, schnellstmöglich geöffnet werden, um zu gewährleisten, dass Eltern ihrer Berufstätigkeit uneingeschränkt nachgehen können.
  3. Unternehmen, die über einen hohen Automatisierungsgrad verfügen, sollten rasch ermutigt werden, den Betrieb wieder aufzunehmen, soweit die Produktionsverfahren und Dienstleistungen mit geringer Ansteckungsgefahr einhergehen.
  4. Dasselbe gilt für Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe, die in hohem Maße mit Zulieferbetrieben verflochten sind. Wenn nötig, sollten die Unternehmen Unterstützung dabei erhalten, den Betrieb wieder anzufahren.
  5. Auch Unternehmen mit großer Wertschöpfung sollten politische Rahmenbedingungen vorfinden, die sie bei der Wiederaufnahme des Betriebs fördern. Denn sie schaffen Mehrwert in großem Umfang, aus dem die dringend erforderlichen Investitionen finanziert werden können.
  6. Die Bundesregierung sollte ein Investitionsprogramm zur effektiven Beschleunigung des Gigbabitausbaus und der Förderung von nachhaltigen Antrieben auflegen.

Zuverlässiger Partner

Die Logistikwirtschaft ist stets ein zuverlässiger Partner von Politik und Gesellschaft. Unsere Mitgliedsunternehmen halten Waren und Güter in Bewegung und die Konjunktur am Laufen. Wirtschaft und Politik müssen jetzt gemeinsam an der Überwindung der Krise arbeiten und tragfähige Lösungen finden. Dafür ist es erforderlich, die Logistikbranche weiterhin in den laufenden Abstimmungsprozess einzubinden.

 

Bildquelle: ©THATREE - stock.adobe.com

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